STV Juridicum – Studienvertretung

Erasmus in Nancy – Eindrücke meiner ersten Zeit in Frankreich

Zugegeben, ich kannte die Stadt vorher auch nicht. Länger wusste ich nur schon, dass es für ein
Auslandssemester nach Frankreich gehen sollte – nicht zuletzt der Sprache wegen. Mehr ein Zufall
war es dann, dass die Entscheidung auf eine gut 100.000 Einwohner-Stadt im Nordosten Frankreichs
fiel. Im Umkreis liegen Straßburg, Metz und Paris ist (trotz einer Entfernung von gut 300 Kilometern)
in einer Stunde dreißig mit dem TGV zu erreichen. Die wenigen organisatorischen Hürden vor Beginn
eines Erasmus-Semesters  taten meiner Vorfreude keinen Abbruch: Anfang September war es
Zeit, die Koffer zu packen.

Erste Herausforderung: Anfahrt
Auch wenn die planmäßige Zugverbindung durch die Schweiz (Zürich – Basel – Straßburg – Nancy)
knapp zwei Stunden länger dauert als eine Fahrt durch Deutschland (München – Stuttgart –
Straßburg – Nancy), entschied ich mich für die erste Variante und genoss vor allem die knapp
einstündige Fahrt vor Zürich mit direktem Blick auf den Zürichsee. Eine problemlose und doch
anstrengende Anreise später folgten die ersten Eindrücke jener Stadt, die für die nächsten fünf
Monate meine zweite Heimat werden sollte.  Ungetrübt vom schlechten Wetter, das mich gleich am
Abend am Bahnhof empfing, bezogen mein Freund und ich “unsere” Wohnung und erkundeten die
Umgebung.
Rückwirkend gesehen erheitert mich, dass ich mir den ersten Weg in die Stadt nicht merken konnte,
erwies sich das Zentrum doch recht bald als ziemlich übersichtlich. Wie aber auch aus Salzburg
bekannt, muss eine Stadt bestimmt nicht groß sein, um als schön und lebenswert zu gelten. Ich war
überrascht von dem kulturellen Erbe (Herzogtum Lothringen), dem wunderschönen Place Stanislas,
einer Altstadt mit Flair und einer großflächigen Parkanlage, die zum Verweilen, Sporteln und
Spazieren einlädt. Auch, dass es wirklich sauber ist, übertrifft für eine französische Stadt die
Erwartungen.

Uni-Kurse
Das Semester begann früher als in Salzburg und ich konnte bereits mehrere Vorlesungen – die
Auswahl ist zum größten Teil auf Französisch – besuchen. Etwas entspannter blickte ich einem
meiner gewählten Kurse „en anglais“ (auf Englisch) entgegen – der Titel schien doch eine sprachliche
Erleichterung im Stundenplan zu versprechen. In meiner Einschätzung schnell eines Besseren belehrt
wurde ich, als die Dozentin die acht- bis zehnköpfige Gruppe, mir inklusive, auf Französisch begrüßte,
und sich versicherte, dass „eh jede*r Französisch spricht, n’est pas?“. Auch in anderen Kursen ist die
Unterstützung hilfsbereiter Studierender mit (vollständigen) Mitschriften eine schätzenswerte
Erleichterung.

Sprache
Genauso überfordernd die Umstellung auf eine (vor längerer Zeit) gelernte Sprache im Alltag sein
mag, genauso schnell wächst man an der neuen Herausforderung – so zumindest meine Erfahrung.
Nach weniger als zwei Wochen in der neuen Stadt erwischte ich mich dabei, kleine Gespräche auf
Französisch durchzudenken und konnte auch in spontane Situationen schon besser reagieren. An der
Uni wird zudem ein Französisch-Kurs für Erasmus-Studierende angeboten – eine wertvolle
Gelegenheit, die Sprache und Mitstudierende kennenzulernen.

Studienkolleg*innen
Ein wesentlicher Aspekt eines Erasmus-Semesters ist es, neue Menschen kennenzulernen, mit denen
man eine gute Zeit verbringen kann. Besonders zu Beginn des Semesters ist man in dieser Hinsicht
gut beraten, einige Veranstaltungen des Erasmus-Netzwerkes aufzusuchen – mit anderen ins

Gespräch zu kommen fällt selten leichter als in solchen Situationen. Auch in den Vorlesungen gibt es
Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen, was jedoch etwas mehr Engagement und meistens einer
Konversation in der Landessprache bedarf.

Ausblick 
Am meisten freue ich mich in der kommenden Zeit darauf, durch einen längeren Aufenthalt an einem
neuen Ort auch die vielversprechende Umgebung der Lorraine, Grand-Est in Frankreich zu erkunden
– auch bieten sich für Wochenenden gemeinsame Ausflüge in die umliegenden Städte, nach
Luxemburg oder Belgien an. Wenn Wenn ich ein bisschen was gesammelt habe, werde ich schon bald
berichten. <3